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Von der Kunst, Geschichten auf dem Eis zu erzählen

Maurizio Zandron ist Staatsmeister der Jahre 2019, 2020 und 2021. Bei #EuroFigure in Tallinn war er für Österreich am Start. Ein Porträt über den 29-jährigen Tiroler mit italienischen Wurzeln.

© Gepa / Andreas Prantner


Nach vorne schauen: Das ist wohl das Motto von Maurizio Zandron. Nach Rückschlägen sieht er schnell wieder das Positive. Die verpasste Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking? Direkt danach war das für den 29-Jährigen enttäuschend. Nur mit zwei perfekten Programmen, denkt er, hätte er die Quali schaffen können. Maurizio unterlief bei der entscheidenden Nebelhorn Trophy vor ein paar Wochen aber ein Fehler in der Kür.

Platz zwei hinter Luc Maierhofer bei der Staatsmeisterschaft im Dezember? „Das Ergebnis war eine Enttäuschung“, sagt der dreifache Titelträger. Aber: „Nach dem nicht optimal gelungenen Kurzprogramm habe ich gut reagiert.“ Maurizio zeigte die beste Kür.

Kür // Österreichische Meisterschaften // 11. Dez. 2021 in Graz


Der Sport als Weg, sich weiterzuentwickeln

Für den gebürtigen Italiener ist Eiskunstlauf nicht nur eine Leidenschaft, „sondern ein Weg, um mich weiterzuentwickeln. Man lernt immer. Man sammelt immer Erfahrungen.“ Maurizio hat sich schnell auf den nächsten wichtigen Wettkampf fokussiert: die Europameisterschaften in Tallinn, wo er den 17. Platz für Österreich sichern konnte. Bei #EuroFigure gab es außerdem ein Wiedersehen mit seinem jüngeren Bruder Marco. Der 23-Jährige trat im Paarlauf mit Laura Barquero für Spanien an. Maurizio: „Es war eine schöne Erfahrung, einmal gemeinsam zu einem so großen Wettkampf zu fahren."

Maurizio fühlt sich gut in Form. In dieser Saison konnte er bereits eine neue persönliche Punktebestleistung aufstellen. Außerdem arbeitet er im Training an zwei Vierfachen – Lutz und Rittberger. Aber diese Sprünge sind noch nicht sicher genug. „Es ist besser, ein etwas einfacheres Programm sauber zu absolvieren, als ein schwieriges mit Fehlern.“

Innsbruck ist besser als Italien

In der Musikinterpretation, der Choreographie und den Schrittfolgen sieht Maurizio seine Stärken. „Der künstlerische Ausdruck ist für mich das Interessanteste am Eiskunstlaufen. Es ist spannend, Emotionen zu zeigen und eine Geschichte auf dem Eis zu erzählen.“

(c) Gepa / Johannes Friedl

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Zwei Kufen und fünf Ringe: In unserer großen Olympia-Blogserie stellen wir nationale Spitzen-Läufer:innen und Nachwuchshoffnungen vor und erklären wichtige Grundlagen des Sports.


Maurizio trainiert in Innsbruck, manchmal in Telfs. „Wir haben das ganze Jahr Eis.“ Im Olympiazentrum macht er Trockentraining, geht zur Physiotherapie und Ernährungsberatung, nimmt sportpsychologische Betreuung in Anspruch. „So etwas hatte ich in Italien nicht.“ Seit 2018 läuft Maurizio, der aus Bozen kommt, für Österreich. Die Entscheidung hat er nie bereut. Seine Uroma war Nordtirolerin, sein Uropa Kaiserjäger.

Neue Freundschaften schließen

In Innsbruck studiert Maurizio Wirtschaftswissenschaften, obwohl er in Italien bereits ein ähnliches Fach abgeschlossen hat. Aber nicht nur zum Ausgleich. Er will sein Deutsch verbessern und Leute kennenlernen. In Innsbruck fühlt er sich wohl: „Die Wege sind kurz, ich habe ein Sozialleben, ich bin zufrieden.“

2026 werden die Olympischen Spiele in Maurizios Geburtsland Italien stattfinden. „Vielleicht ist das noch ein Ziel“, sagt er, will aber auf seinen Körper hören und am Ende der Saison entscheiden, wie lang er noch weitermacht. Ein anderer Zandron wird schon in Peking dabei sein. Bruder Marco hat mit Partnerin Laura die Quali geschafft. Maurizio wird vor dem Fernseher die Daumen drücken.


// Bilder unten: Maurizio abseits der Eisfläche. © privates Archiv //

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