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Doroteas Glück

Bei Sprüngen fühlt sich Dorotea Leitgeb leicht und glücklich. Im Training ist von Spaß bis Verzweiflung alles drin. Mindestens bis 2026 will die Spätstarterin dem Eiskunstlauf treu bleiben.

Es war Glück im Unglück. Vor einigen Wochen, Ende Februar 2022 infizierte sich Dorotea Leitgeb mit Covid. Die Junioren-Weltmeisterschaften, die für Anfang März in Sofia geplant waren, hätte sie damit verpasst. Aber die Titelkämpfe wurden auf Mitte April verschoben und nach Tallinn verlegt. Optimal für Dorotea, die damit noch genug Zeit für die Vorbereitung hatte. „Das hat sich perfekt ergeben“, sagt die Wienerin. In Estland lief es dann aber leider nicht perfekt. Dorotea konnte ihre Leistung nicht so abrufen wie geplant. Unter 43 Starterinnen wurde sie 40.

Davor sicherte sich Dorotea in der Saison 2021/22 ihren zweiten Junioren-Staatsmeistertitel und sie trat bei zwei Junior Grand Prix-Events im vergangenen Herbst an. Die 18-Jährige hat es weit gebracht – obwohl sie spät mit dem Sport begonnen hat. Während andere Spitzenläuferinnen im Alter von vier oder fünf Jahren mit dem Training beginnen, hat Dorotea mit acht erstmals das Eis mit Schlittschuhen betreten. „Ich wollte es unbedingt ausprobieren“, erzählt die Schülerin. Ein Jahr später ging's dann los mit dem Leistungssport: „Das war ziemlich spät – aber es hat funktioniert.“

Zwei Kufen und fünf Ringe: In unserer großen Olympia-Blogserie stellen wir nationale Spitzen-Läufer:innen und Nachwuchshoffnungen vor und erklären wichtige Grundlagen des Sports.

Leitgeb statt Partonjic

Doroteas Familie ist sehr sportlich, aber mit Eiskunstlauf hatte noch niemand etwas am Hut. Sie wuchs großteils bei ihren Großeltern auf. Vor zwei Jahren nahm sie deren Nachnamen Leitgeb an. Ihre ersten Erfolge feierte sie noch als Dorotea Partonjic.

Die Oma unterstützt ihre Enkelin, wo sie kann. „Meine Großmutter hat immer versucht, das Beste für mich zu machen“, sagt Dorotea. Auch bei der Trainer:innen-Suche war sie behilflich. Seit knapp fünf Jahren übt die elegante Läuferin nun bei Sonja Harand.

Top-Trainerin Harand, die u. a. Kerstin Frank auf ihrem Weg zur sechsfachen Staatsmeisterin begleitet hat, sieht Potenzial in ihrem Schützling: „Dorotea hat große Fortschritte gemacht. Außerdem kommt sie bei den Wertungsrichtern gut an.“ Meistens geht Dorotea am Eisring Süd in Wien-Favoriten aufs Eis – gemeinsam mit dem um ein Jahr jüngeren österreichischen Vize-Juniorenmeister Alexander Charnagalov. „Das ist viel besser, als alleine zu trainieren“, sagt Dorotea. Mit Sascha schließt sie Wetten, wer in welchen Bereichen besser abschneidet. „Das ist gut für die Motivation.“

Dorotea Leitgeb bei Wettkämpfen zwischen 2018 und 2021

„Ach, ich kann’s ja eh“

Mit der Motivation ist das so eine Sache. Dorotea ist Perfektionistin. „Wenn etwas nicht so läuft, wie ich es möchte, verliere ich schnell die Nerven. Dann frage ich mich: ‚Wieso mache ich das überhaupt.‘“ Aber es gibt auch die guten Tage, an denen sie feststellt: „Ach, ich kann’s ja eh.“ Da fällt ihr wieder ein, wieviel Spaß sie am Eiskunstlauf hat.

Am meisten Spaß machen ihr die Sprünge. „Da verspüre ich ein Gefühl der Leichtigkeit.“ Der Doppelaxel ist ihr Favorit, auch den Dreifach-Toeloop mag sie. „Sprünge“, sagt Dorotea, „machen mich glücklich.“

Die 18-Jährige ist im Gymnasium Boerhaavegasse in einer Klasse mit Balletttänzer:innen. Heuer wird sie maturieren, danach plant sie ein Fernstudium. Der Fokus soll auf dem Sport bleiben. „Ich will auf jeden Fall bis zu den nächsten Olympischen Spielen laufen. Einfach, um zu sehen, wie weit ich es schaffe.“ ///

 


// Bilder unten: Dorotea abseits der Eisfläche. © Privates Archiv / Bilder oben: © Gepa Pictures //

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