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Olga Mikutina: Eislaufen mit Ausdruck und Seele

Trotz großer Sorge wegen des Krieges in ihrem Geburtsland gelingt es Olga Mikutina, sich im Wettkampf auf ihre Programme zu fokussieren. Heuer will sie die 200-Punkte-Marke übertreffen.

Ein Mädchen spaziert im Garten, es hat Freude an der Natur. Plötzlich gerät es in einen heftigen Sturm. Aber danach erscheint ein Regenbogen. Ab nun will das Mädchen jeden Moment genießen.

Diese Geschichte erzählte die damals 17-jährige Olga Mikutina bei den Weltmeisterschaften 2021 in Stockholm. Es ist die Geschichte hinter dem damaligen Kürprogramm der Vorarlbergerin. Mit dieser Geschichte platzte Olga mitten in die Weltspitze, sie landete auf dem sensationellen achten Platz. Bei ihrem Olympia-Debüt 2022 in Peking erzählte sie die Geschichte noch einmal – sie brachte ihr wieder Glück. Olga verbesserte sich vom 18. Platz im Kurzprogramm auf Rang 14.

Und das obwohl der Start in den Olympia-Winter nicht einfach war. Eine Kniegelenksentzündung beeinträchtigte sie vor Saisonbeginn. Bei den österreichischen Meisterschaften musste sich Olga Stefanie Pesendorfer geschlagen geben. Bei den Europameisterschaften im Jänner 2022 in Tallinn wurde sie „nur“ 15.

Beides hat Olga schnell abgehakt. „Was war, das war. Ich lebe in der Gegenwart.“ Die Vorbereitung auf die Saison 2022/23 lief besser. Olga studierte eine neue Kür ein und arbeitete daran, Ausdauer, Technik und Beweglichkeit zu verbessern.

Kür // WM 2021 // März 2021, Stockholm

Einladung für zwei Grand Prixs

Die 19-jährige Schülerin konnte sich ab Herbst von Wettkampf zu Wettkampf steigern. Sie wurde zu zwei Wettkämpfen der elitären Grand-Prix-Serie eingeladen. Olga: „Man fühlt sich sehr besonders, wenn man die Einladung bekommt. Ich war überrascht, dass ich sogar zu zwei Grand Prixs eingeladen wurde.“

Während es Anfang November beim GP in Angers (Frankreich) mit knapp 160 Punkten und Platz zehn noch nicht ganz nach Wunsch lief, war sie mit ihrer Leistung bei der stark besetzten NHK Trophy in Sapporo Mitte November deutlich zufriedener. Die zweifache österreichische Meisterin landete mit 173,36 Zählern auf Rang zehn. Vor dem eiskunstlauf-begeisterten japanischen Publikum zu laufen hat Olga „sehr genossen“.

Olga will jeden Wettkampf genießen und ihre Programme „so gut wie möglich laufen - mit Ausdruck, mit Selbstbewusstsein und mit meiner Seele“. Ihre Saisonhöhepunkte sind die EM im Jänner in Espoo (Finnland) und die WM im März in Saitama (Japan). „Mein Ziel ist es, mein gutes Ergebnis von der WM in Stockholm zu wiederholen oder sogar noch zu verbessern.“ Außerdem will sie ihren Punkterekord (198,77) auf über 200 steigern.

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Liebe zum Eiskunstlauf

Am Eiskunstlaufen gefällt Olga einfach alles. „Jedes Element ist einzigartig. Ich mag, wie man alles in einem Programm verbindet und es so aussehen lässt, als wäre es einfach.“ Im Alter von vier Jahren hat sie in ihrer Geburtsstadt Charkiw in der Ukraine mit dem Sport begonnen. Sie hatte sofort Freude daran und wollte unbedingt weitermachen.

Im Alter von zwölf Jahren kam Olga mit ihrer Mutter nach Österreich. Ihr Trainer in der Ukraine erkannte Olgas Talent, konnte dem Mädchen aber nicht mehr weiterhelfen. Seither lebt die zielstrebige Athletin in Vorarlberg und trainiert unter der Ukrainerin Elena Romanowa in Feldkirch sowie in Flims und Herisau in der Schweiz.

Seit 2020 ist Olga österreichische Staatsbürgerin. Natürlich belastet Olga der Krieg in der Ukraine, von dem ihre Geburtsstadt schwer betroffen ist. „Ich schaue jeden Tag Nachrichten und informiere mich, wie der Stand der Dinge ist. Das ist nicht einfach.“

Aber sobald sie auf’s Eis geht, versucht sie alle Gedanken abzuschalten – „egal, ob es um die Ukraine geht oder um Privatsachen. Ich will mich einfach auf mein Programm und meine Musik konzentrieren.“ Olga will jeden Moment auf Eis genießen – so wie das Mädchen in der Geschichte ihrer Erfolgskür.

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// Bilder unten: Olga abseits der Eisfläche / © Privates Archiv //

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