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Vom Hinfallen und Wiederaufstehen

Beinahe wäre Stefanie Pesendorfers Karriere mit 17 vorbei gewesen. Jetzt kann sie endlich schmerzfrei trainieren. Die Comeback-Saison verläuft mit Höhen und Tiefen. Für die Zukunft steckt sie sich hohe Ziele.

„Das Einzige was ich konnte, war hinfallen und aufstehen“, erzählt Stefanie Pesendorfer von ihren Erfahrungen im Kindergarten-Eislaufkurs. Die Trainerin sah dennoch Talent in der damals Vierjährigen. Die Laufbahn der Marchtrenkerin war gestartet. Ihr Talent stellte sie etwa mit Platz zwölf bei der Junioren-WM 2018 unter Beweis.

Ende 2020 dann der Rückschlag: Bandscheibenvorfall. Mit 17. „Es war absehbar, dass das irgendwann passieren würde – ich habe einen angeborenen Gleitwirbel.“ Stefanies Karriere hing am seidenen Faden. Ohne Operation wäre sie vorbei gewesen. Die OP bot ihr eine 50-prozentige Chance auf eine Karriere-Fortsetzung. „Meine Einstellung war: Wenn ich es nicht schaffe - wer soll es sonst schaffen?“ Nur unmittelbar vor dem Eingriff im Jänner 2021 kamen ihr Zweifel. „Ich dachte: Was ist, wenn es nicht klappt?“ Als Stefanie nach der Operation aufwachte war ihr erster Gedanke: „Okay, überlebt habe ich es, dann werde ich es auch wieder aufs Eis schaffen.“ Und genauso war es.

Kür // ÖM // Dez. 2021, Graz

Dreifachsprünge mit vier Schrauben

Stefanie stand wieder auf - wie damals im Kindergarten. Nach zwei Monaten Pause, mit einer künstlichen Bandscheibe und vier Schrauben im Rücken wagte sie sich aufs Eis. Stück für Stück wurde sie beweglicher, Schritt für Schritt kehrte sie zum normalen Training samt Dreifachsprüngen zurück. Es funktionierte. Und vor allem: sie konnte endlich schmerzfrei trainieren.

Ein Jahr später blickt Stefanie zufrieden auf die Comeback-Saison zurück. „Es haben nicht viele daran geglaubt, dass ich zurückkomme“, sagt sie. Der Höhepunkt: Im Dezember wurde sie erstmals österreichische Meisterin. „Damit habe nicht einmal ich gerechnet.“ Bei ihrer ersten WM-Teilnahme, Ende März in Montpellier, lief es nicht nach Wunsch. Als 32. verpasste Stefanie die Qualifikation für die Kür.

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Tennisball gegen Nervosität

Auch zu Saisonbeginn lief es für die Oberösterreicherin nicht optimal. „Ich habe schnell die Nerven weggeschmissen, wenn etwas nicht funktioniert hat.“ Da erinnerte sie sich an eine Sache, die ihr schon früher gegen Nervosität geholfen hatte: den Tennisball. „Ich spiele vor dem Wettkampf mit dem Ball, das lenkt mich ab.“ Meistens funktioniert das.

Mittlerweile schätzt sich Stefanie als wettkampfstark ein – und als sprungstark. Der dreifache Toeloop ist ihr Lieblingselement. Fünfmal pro Woche trainiert sie jeweils zwei bis drei Stunden in der Linzer Eishalle. Dazu kommt Trockentraining.

Nach Abschluss der Handelsschule für Leistungssport in Linz kommenden Sommer will sich die 18-Jährige voll auf den Sport konzentrieren. Die nächsten Olympischen Winterspiele sind noch weit weg (2026). Stefanie will dann dabei sein. Bei Welt- und Europameisterschaften möchte sie es künftig in die Top-Zehn schaffen. „Das sind hoch gesteckte Ziele, aber ich denke, dass ich sie erreichen kann.“

Und sollte wieder einmal ein Rückschlag Stefanies Karrierepläne durchkreuzen, dann hat sie eines ganz sicher gelernt: hinfallen und wiederaufstehen. ///


// Bilder unten: Steffi Pesendorfer abseits der Eisfläche, © Privates Archiv // Bilder oben: © Gepa Pictures //

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