Olga Mikutina – Die Kunst der Rückkehr

Wenn Olga Mikutina das Eis betritt, verändert sich die Atmosphäre. Keine großen Gesten, kein Pathos – stattdessen Ruhe, Klarheit und eine Präsenz, die aus Erfahrung gewachsen ist. Mit 22 Jahren steht die Vorarlbergerin an einem entscheidenden Punkt ihrer Karriere: der Vorbereitung auf ihre zweiten Olympischen Winterspiele im Februar 2026.

Olga Mikutina vertritt Österreich in dieser Saison bei zwei Grand Prix.  (c) GEPA Pictures

Ein Ziel, das nicht selbstverständlich ist, sondern das Ergebnis eines langen Weges – geprägt von Erfolgen, Rückschlägen und der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen.

„Es war ein sehr, sehr langer Weg“, sagt Mikutina rückblickend. „Jede Erfahrung hat mich geprägt – auch die Verletzungen und die Phasen, in denen es nicht leicht war. Aber ich habe immer in mir die Kraft gefunden, wieder zurückzukommen.“ Diese innere Stärke ist heute eines ihrer prägendsten Merkmale.

Ein Quotenplatz mit besonderem Gewicht

Besonders deutlich wurde diese Stärke mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaften 2025 in Boston – und dem damit verbundenen Olympia-Quotenplatz für Österreich. Ein Erfolg, der umso höher zu bewerten ist, da Olga in dieser Saison eine längere krankheitsbedingte Pause einlegen musste. Statt Wettkämpfen wie den Europameisterschaften oder der Universiade bestimmten Geduld, Regeneration und ein behutsamer Weg zurück ins Training ihren Alltag.

Der WM-Auftritt in Boston war damit weit mehr als ein sportlicher Meilenstein. Er wurde zum Symbol für Durchhaltevermögen – und für die Erkenntnis, dass Rückschläge nicht das Ende bedeuten müssen, sondern Teil eines größeren Prozesses sind.

Die Liebe zum Eiskunstlauf

Was sie durch all diese Phasen getragen hat, beantwortet Olga ohne Zögern: „Meine Liebe zum Eiskunstlaufen. Das ist meine Passion.“
Es ist eine leise, aber tief verankerte Leidenschaft. Auf dem Eis geht es ihr nicht um Inszenierung, sondern um Echtheit. Um das Gefühl hinter der Bewegung.

„Ich möchte, dass die Menschen Freude, Liebe und Euphorie fühlen, wenn ich laufe“, erklärt sie. Für Olga ist Eiskunstlauf mehr als Technik, mehr als Punkte oder Platzierungen. Es ist eine Sprache ohne Worte – eine Möglichkeit, Emotionen sichtbar zu machen und Verbindung herzustellen. Genau diese Verbindung zwischen technischer Präzision und emotionaler Offenheit macht ihre Programme so greifbar und ihr Auftreten so besonders.

Konstanz trotz Unterbrechung

Sportlich zählt Olga Mikutina längst zu den konstantesten Athletinnen des österreichischen Eiskunstlaufs. In der laufenden Saison sicherte sie sich ihren fünften Staatsmeistertitel bei den Österreichischen Meisterschaften in Innsbruck. Bereits zu Saisonbeginn setzte sie mit Siegen in Tartu (EST) und Lausanne (SUI) internationale Ausrufezeichen, zweite Plätze in Graz und Innsbruck folgten. Ergebnisse, die unterstreichen: Auch nach einer Pause gehört sie weiterhin zur nationalen und internationalen Spitze.

Favoritin mit klarem Anspruch

Statt sich an Vergangenem festzuhalten, richtet Olga ihren Blick konsequent nach vorne. Die nächsten Ziele sind klar formuliert: Top 5 bei den Europameisterschaften und ein Top-10-Ergebnis bei den Olympischen Winterspielen 2026. Ambitioniert – aber realistisch.

„Mir ist wichtig, schöne Programme zu zeigen und das abzurufen, was ich im Moment kann“, sagt sie. Kontrolle, Präsenz und Vertrauen in die eigene Arbeit stehen im Mittelpunkt. In der Vorbereitung setzte sie zuletzt verstärkt auf Kraft- und Muskelaufbau, intensive Bodenarbeit sowie gezielte Sprungübungen, um mehr Stabilität und Leichtigkeit in ihre Programme zu bringen. „Mein Fokus liegt darauf, die Sprünge sauber und auch am Ende der Programme kontrolliert auszuführen.“

Zwischen zwei Welten – und doch bei sich

Auch wenn Olgas Wahlheimat mittlerweile in den USA liegt, wird der entscheidende Weg Richtung Milano Cortina 2026 bewusst über Österreich führen. Die letzten Vorbereitungen auf Olympia sowie den Zwischenstopp bei den Europameisterschaften 2026 in Sheffield absolviert sie in Feldkirch und Wien – dort, wo ihre sportlichen Wurzeln liegen.

Es ist eine bewusste Rückkehr an Orte, die Stabilität geben. Orte, an denen sie nicht nur Athletin, sondern einfach Olga sein kann. Nach intensiven Trainings- und Studienphasen in den USA sucht sie für die entscheidende Saisonphase Nähe, Vertrautheit und Vertrauen – Qualitäten, die sie durch ihre Karriere getragen haben.

Olga Mikutina bei den Österreichischen Meisterschaften 2026. (c) GEPA Pictures

Ein Weg, der weitergeht

Für Olga Mikutina geht es heute nicht darum, etwas neu zu erfinden. Sondern darum, bei sich zu bleiben: technisch präzise, emotional präsent und getragen von der Erfahrung, dass auch schwierige Phasen Teil des Weges sind.

Was sie der Olga von vor vier Jahren sagen würde, bringt sie selbst auf den Punkt:
„Genieße den Prozess und vertrau dir mehr. Du siehst wunderschön auf dem Eis aus – und die Menschen lieben dich nicht umsonst.“

Dieser Weg führt sie nun über Feldkirch, Wien, Sheffield – und schließlich nach Milano Cortina 2026. Still, fokussiert und mit jener inneren Stärke, die Olga Mikutina zu einer der prägendsten Persönlichkeiten des österreichischen Eiskunstlaufs macht.