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Die Saison der letzten Male

Miriam Ziegler und Severin Kiefer gehören zu den erfolgreichsten österreichischen Eiskunstläufer:innen der letzten 40 Jahre. Bei #WorldFigure in Montpellier haben die Paarläufer noch einmal alles gegeben.

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Noch einmal Europameisterschaften, noch einmal WM, noch einmal Olympia. Für das Paarlauf-Paar Miriam Ziegler und Severin Kiefer ist 2021/22 ein Winter der letzten Male. Das Karriereende nach der neunten gemeinsamen Saison stand lange im Raum. Severins Verletzungen und Motivationsprobleme in der Coronazeit haben den Entschluss gefestigt. „Wir haben gemerkt, dass wir langsam bereit sind, auch andere Sachen zu machen“, sagt Miriam.

Von Salzburg nach Berlin – und zurück

Vor der letzten Saison hat das Duo seinen Trainingsschwerpunkt von Berlin nach Salzburg verlegt. Vor allem weil Severin hier eine optimale, regelmäßige physiotherapeutische Behandlung bekommt. Im Februar hatten sich seine Muskelansätze im Hüftbereich entzündet. „Das kommt vermutlich von einer Sportart, bei der man hauptsächlich in eine Richtung dreht, und meinem fortgeschrittenen Alter für diesen Sport.“ Jetzt kann der 31-jährige Salzburger wieder schmerzfrei trainieren.

Kurzprogramm // WM // Saitama (Japan), März 2019

Ihre letzte Staatsmeisterschaften im Dezember in Graz waren für Miriam „sehr emotional. Ich dachte, ich muss alles aufsaugen“. Aber dann ging der Fokus verloren. „Deswegen war das Kurzprogramm eine totale Katastrophe.“ In der Kür passte die Konzentration der 27-jährigen Burgenländerin, das Programm funktionierte ausgezeichnet.

Bei #EuroFigure im Jänner in Tallinn konnte das Duo nicht teilnehmen. Severin verletzte sich bei einerTrainingseinheit vor Ort am linken Handgelenk. Das MRT zeigte eine Fraktur, eine Operation war damit unumgänglich. „Alles ist gut gelaufen. Die Ärzte zeigten sich nach der OP sehr zuversichtlich. Seit Montag, 17. Jänner, kann ich unter Sicherheitsvorkehrungen wieder aufs Eis gehen. Wir werden die Trainingsintensität langsam steigern. Wenn alles gut geht, steht unserer Reuse nach Peking nichts im Wege“, sagt Severin.

Miriams vierter Olympia-Auftritt

Zum dritten Mal wollen Miriam und Severin gemeinsam bei Winterspielen antreten. Miriam war schon 2010 in Vancouver 15-jährig als Einzelläuferin am Start. Richtung Peking blickt die Burgenländerin mit gemischten Gefühlen. Sie will ihren letzten Olympia-Auftritt genießen, aber auch „endlich eine Kür laufen“. Eine Teilnahme am Finale ist deshalb das Minimalziel. Severin: „Das sollte möglich sein.“ Aber es kann immer etwas passieren. „In PyeongChang bin ich gestürzt beim dreifachen Toeloop und bumm, war’s vorbei.“ Deshalb war nur Platz 20 drin.

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Zwei Kufen und fünf Ringe: In unserer großen Olympia-Blogserie stellen wir nationale Spitzen-Läufer:innen und Nachwuchshoffnungen vor und erklären wichtige Grundlagen des Sports.

In Sotschi 2014 verpassten die beiden als 17. den Einzug in die Kür nur um einen Platz. Miriam: „Das waren meine Lieblingsspiele. Wir sind ohne Erwartungen angetreten, weil wir erst sehr spät erfahren haben, dass wir überhaupt hinfahren werden. Wir waren so stolz, dabei zu sein.“

Langer Atem führt zum Erfolg

Platz zehn bei den WM 2019 in Japan und EM-Platz sechs 2020 in Graz sind die größten Erfolge der beiden. Severin sieht auch ihre „Langlebigkeit“ als großen Pluspunkt. „Wir sind eines von wenigen Paaren auf internationaler Ebene, das sich lange auf hohem Niveau halten konnte.“ Das „Experiment“, ein Paar zu bilden, mit der ehemaligen Einzelläuferin, die eigentlich nicht mehr laufen wollte, hat sich voll ausgezahlt. „Miriam zu fragen, ob sie mit mir laufen möchte, war die beste Entscheidung meiner Karriere.“

Ihren letzten gemeinsamen Auftritt absolvieren Miriam und Severin bei #WorldFigure in Montpellier. Und dann wollen sie noch einmal alles geben. „Sich in so einem Rahmen vom internationalen Wettkampfgeschehen verabschieden zu können, ist ein Privileg“, sagte Miriam. Dem Eiskunstlauf wollen danach beide treu bleiben. Er möchte als Trainer in Salzburg unterrichten. Sie will „alles einmal ausprobieren“: Trainerausbildungen, Verbandsarbeit, Choreografie oder die Ausbildung zur technischen Spezialistin. „Ich will herausfinden, was mir am besten liegt und was ich kann.“ Für den Moment ist das noch das Eiskunstlaufen. ///


// Bilder unten: Die Burgenländerin und der Salzburger abseits der Eisfläche. © Gepa Pictures //

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