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Große Fortschritte, große Leidenschaft, große Ziele

Elisabeth und Leo Havers wollen hoch hinaus im Eistanzen. Ihr Ziel: die Olympischen Winterspiele 2030. Ein Porträt der Geschwister, die fast täglich miteinander am Eis stehen.


Es ist Dezember 2019, als die Wiener Nachwuchs-Eistänzer Elisabeth (14) und Leo Havers (16) plötzlich ohne Trainer dastehen. Ihr langjähriger Betreuer will nicht mehr mit den Geschwistern arbeiten. Elisabeth ist damals knapp zwölf Jahre alt, Leo 14. „Ich war ziemlich deprimiert. Ich habe gedacht, wir müssen aufhören“, erzählt die 14-jährige Elisabeth. Ein Verbandsfunktionär empfiehlt den Geschwistern Jana Hübler als Trainerin. Leo: „Sie hat uns aus dem Loch rausgeholt.“ Hübler habe die beiden innerhalb eines Jahres auf ein gutes internationales Niveau gebracht. Mit dem Ex-Trainer verstehen sich die Havers indes wieder gut.

Vom Publikumslauf aufs glatte Tanzparkett

Zwei Jahre später sind die Geschwister vierfache Nachwuchs-Staatsmeister. Und das obwohl die beiden absolute Spätstarter sind. Elisabeth hat zwar mit vier Jahren mit Eiskunstlauf begonnen, kam aber nach dem Grundkurs nicht mehr weiter. Während Elisabeth übte, lief Leo nebenan mit Plastikschuhen beim Publikumslauf. Elisabeth: „Der Trainer hat uns gefragt, ob wir gemeinsam laufen wollen.“ Und so begann Leo im Alter von elf Jahren mit dem Eistanzen – ohne davor jemals Eiskunstlauf trainiert zu haben.

Mindestens sechsmal drei Stunden trainiert das Duo pro Woche. Die Motivation fürs Training fehlt ihnen selten. Trotz bis zu 13 Stunden langer Tage. Leo: „Es ist manchmal hart, wenn man um acht Uhr abends nach Hause kommt, noch viele Hausaufgaben hat und um zehn Uhr schlafen sollte. Dann arbeitet man schon in die Nacht hinein.“ Die Schule ist dem 16-Jährigen mindestens genauso wichtig wie das Eislaufen.

Namhafte Vorbilder

Leo möchte Biologie studieren, Lisi will Volksschullehrerin werden. Aber das hat keine Eile. Zuerst wollen beide in der Disziplin Eistanzen hoch hinaus. Das große Ziel? Olympische Winterspiele. Leo: „Spätestens in acht Jahren wollen wir dabei sein.“ Als ihre Vorbilder nennen die beiden die vierfachen Weltmeister Gabriela Papadakis / Guillaume Cizeron aus Frankreich und die Briten Lilah Fear / Lewis Gibson.

Kommende Saison wollen sie von der „Advanced Novice“- in die Junioren-Klasse wechseln, und bei Wettkämpfen der jährlich stattfinden Junioren Grand Prix Serie im Mittelfeld landen. In dieser Saison belegten die Geschwister bei einem internationalen Wettkampf in Italien Platz fünf. Im Jahr davor waren sie bei einem internationalen Bewerb noch Letzte geworden.

Zwei Kufen und fünf Ringe: In unserer großen Olympia-Blogserie stellen wir nationale Spitzen-Läufer:innen und Nachwuchshoffnungen vor und erklären wichtige Grundlagen des Sports.

Viel Leidenschaft, kaum Streit

Das Paar sieht viel Potenzial zur weiteren Verbesserung. „Da wir gewisse Basics erst spät gelernt haben, sind wir noch nicht so weit, wie manche andere in unserem Alter“, sagt Leo. „Wir versuchen, das mit viel Training zu kompensieren.“ Seine Schwester sei „extrem talentiert. Ich habe manchmal ein bisschen mehr zu kämpfen“.

Trotz der vielen Zeit, die Leo und Elisabeth gemeinsam verbringen, gäbe es kaum Streitigkeiten zwischen den beiden. Für das Eislaufen bringen die Geschwister eine große Leidenschaft mit. Mit der neuen Trainerin läuft es sehr gut. Die scheinbar ausweglose Situation vor zwei Jahren ist längst überwunden. Leo: „Ich habe gelernt, dass es auch nach schlimmen Momenten weitergeht.“


// Bilder oben: Elisabeth und Leo Havers bei den Österr. Meisterschaften 2021/22 in Graz. (c) Gepa Pictures / J. Friedl // Bilder unten: Das Geschwisterpaar bei ersten nationalen Wettkämpfen im Jahr 2017. (c) Gepa Pictures / M. Mandl //

 

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